Zytotoxische Therapien

Wenn ein Tumor nicht vollständig entfernt werden kann (R1- oder R2-Resektion) oder sich Metastasen gebildet haben, ist es unser Ziel, durch Einsatz von biologischen Krebsmedikamenten und niedrig dosierten Chemotherapien langfristig Kontrolle über das Krebswachstum zu erlangen und die Tumorlast so weit wie möglich zu senken. Je geringer die Anzahl der Krebszellen ist, desto eher kann das Immunsystem wieder erfolgreich arbeiten. Auf diese Weise ist es durchaus möglich, auch über einen sehr langen Zeitraum mit der Tumorerkrankung bei guter Lebensqualität zu leben.

 

DIE 2 FORMEN DER ZYTOTOXISCHEN THERAPIEN

 

Biologische Tumortherapie

Im Rahmen unseres Gesamtkonzeptes kommen in Verbindung mit einer Bestrahlung oder Chemotherapie oder als eigenständige zytotoxische Therapie folgende Wirkstoffe als Infusionen zum Einsatz:

Amygdalin (B17)

Der aus Aprikosenkernen gewonnene Wirkstoff gehört zur Gruppe der zyanogenen Glykosiden. Es ist eine äußerst stabile Verbindung, welche erst durch Aktivierung durch das Enzym ß-Glucosidase ihre toxische Wirkung entfaltet. Zur selektiven Wirkung auf Krebszellen kommt es, weil die Konzentration von ß-Glucosidase in Krebszellen ca. 1000mal höher ist als in normalen Zellen.

Der aktive Metabolit Zyan (Blausäure) entsteht also größtenteils in Krebszellen. Gleichzeitig enthält eine Krebszelle 30mal weniger Rhodanase, einem wichtigen Entgiftungs- und Schutzenzym, als gesunde Zellen. So akkumuliert Blausäure in Krebszellen und kann dort deren Absterben auslösen.

Wir setzen Amygdalin ausschließlich als Infusion ein. Die Herstellung erfolgt in einem Reinlabor (Curafaktur, s. o.). Die orale Einnahme von Aprikosenkernen und B17 – Kapseln empfehlen wir ausdrücklich nicht, da hier mit teilweise schwerwiegenden Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt zu rechnen ist (vermehrte Aktivierung durch ß-Glukosidase in Dünndarmzotten).

Eine intravenöse Verabreichung von Amygdalin wurde auch vom Bundesamt für Arzneimittelsicherheit als unbedenklich eingestuft. An der Universitätsklinik Frankfurt laufen seit Jahren Studien zu Amygdalin. Hier wurde die Sicherheit von Amygdalin als intravenöse Gabe bestätigt und die Wirksamkeit auf Tumorzellen untersucht (z. B. Blaheta et al 2014).

Diese Arbeitsgruppe konnte auch den hemmenden Effekt auf die Migration von Krebszellen nachweisen. Dadurch kann die Metastasenbildung vermindert werden. Auch in der Praxis lässt sich bei regelmäßiger Anwendung von Amygdalin beobachten, dass die Krankheitsverläufe oft sehr stabil sind und häufig über Jahre keine neuen Metastasen entstehen.

Germanium

Germanium

Das Membranpotential gesunder Zellen liegt bei -70 mV, das von Krebszellen nur bei ca. -30 mV.

Organisches Germaniumsesquioxid ist ein starker Elektronendonator, was eine Repolarisierung der Membran bewirkt, die von den Krebszellen nicht toleriert wird und dadurch deren Zelltod herbeiführen kann.

Curcumin

Curcumin

Dieser Wirkstoff ist der in Curry enthaltene Farbstoff, der aus Gelbwurz (Kurcuma) gewonnen wird. Es sind viele sehr günstige Eigenschaften über diese Substanz bekannt:

  • Hemmung des zentralen Motors für Entzündung und Tumorwachstum (NF-kappaB Signalweg)
  • löst den programmierten Zelltod (Apoptose) in Tumorzellen aus und bremst deren Wachstum
  • schützt gesunde Zellen vor Nebenwirkungen der Chemo- und Strahlentherapie.
  • stimuliert das Immunsystem
  • Chemosensitizer: Curcumin macht Krebszellen empfindlicher auf folgende gängige Chemotherapien: Doxorubizin, 5-FU, Taxol/Abraxane, Vincristin, Vinorelbin, Gemcitabine, Cisplatin, Oxaliplatin, Etoposid etc.
  • Radiosensitizer: Curcumin macht Krebszellen empfindlicher auf Strahlentherapie
  • Verstärkt die Wirkung der Hyperthermie (regionale Tiefenhyperthermie s. o.)
Artesunat

Beifuß

Diese Substanz wird aus dem einjährigen indischen Beifuß gewonnen und wirkt gegen alle Arten von Krebserkrankungen (Efferth 2001).

Die selektive Wirkung auf Krebszellen erklärt sich dadurch, dass durch Artesunat in der chemischen Reaktion mit Eisen Sauerstoffradikale entstehen, die die Krebszelle schädigen und zerstören können.

Die Eisenkonzentration ist in Krebszellen erhöht, da diese Eisen für ihre vermehrte Zellteilung brauchen. Forschungsarbeiten am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ Heidelberg) bestätigen die Wirksamkeit auf Brustkrebszellen (Hamacher-Brady et al., 2011).

Außerdem wurde eine hemmende Wirkung auf die Gefäßneubildung von Tumoren gezeigt. Auf diese Weise wird die Blutversorgung von Tumorknoten verschlechtert. Artesunat setzen wir besonders bei schnell wachsenden Tumoren ein.

Vitamin-C-Infusionen

Vitamin C

Hochdosierte Vitamin-C-Infusionen: Hierbei handelt es sich nicht um die Zuführung von Vitamin C als Antioxidans, wie man es vom Verzehr von Obst und Gemüse oder von Nahrungsergänzungsmitteln kennt. Klinische Studien haben gezeigt, dass Vitamin C in sehr hohen Dosen (ab 30 Gramm intravenös) zur Bildung von zytotoxisch wirksamen Mengen an Wasserstoffperoxid in Krebszellen führt.

Krebszellen haben poröse Zellmembranen mit einer pathologisch veränderten Zellmembranspannung, dadurch kann Vitamin C vermehrt in Krebszellen eindringen. Krebszellen sind verarmt an den Enzymen Katalase und Superoxid-Dismutase. Dieser Mangel macht sie anfälliger gegen den letalen Effekt des Wasserstoffperoxids (Kasciari, et al., 2001). Dadurch wird auch die Wirkung von Radio- und Chemotherapien verstärkt.

Ähnliche Effekte zeigen sich in Kombination mit der loko-regionalen Tiefenhyperthermie, weswegen wir die Vitamin-C-Hochdosis-Therapie parallel zur regionalen Tiefenhyperthermie einsetzen. Vitamin C hat zudem einen starken Effekt auf das Immunsystem (stimuliert die für die Tumorabwehr wichtigen TH1- und NK-Zellen).

Darüber hinaus verringert es die Nebenwirkungen von Chemotherapie und Bestrahlung und führt zu einer spürbaren Verbesserung des Allgemeinbefindens.

Selen

Selen

Ein wichtiges Spurenelement mit breitem Wirkungsspektrum:

  • schützt gesunde Zellen vor den negativen Auswirkungen von Chemo- und Strahlentherapie und sollte deswegen 1 Stunde vor diesen Therapien verabreicht werden.
  • Bindet in Krebszellen das schützende Glutathion zu Selenodiglutathion. Dabei entstehen schädliche Sauerstoffradikale innerhalb der Krebszelle, während gleichzeitig das schützende Glutathion entzogen wird. Dadurch verstärkt Selen die Wirkung von Chemo- und Strahlentherapie.
  • Selen ist essentiell für ein funktionierendes Immunsystem
  • Selen unterstützt die Entgiftung

Die Wirkung dieser Substanzen wurde im Rahmen der Grundlagenforschung untersucht. Für groß angelegte, klinische Studien, die Voraussetzung für eine allgemeine wissenschaftliche Anerkennung sind, gibt es seitens der Pharmaindustrie mangels Patentierbarkeit dieser Naturstoffe kein Interesse.

Im klinischen Alltag sehen wir seit 2012 den Nutzen dieser hochwirksamen pflanzlichen Substanzen. Seit 2014 stellen wir diese Substanzen in einem modernen Reinraumlabor (Curafaktur Heilbronn) unter sterilen Bedingungen in bester Qualität her. Hier kooperieren wir mit Diplombiologen, die jahrelang in führenden Positionen in der Grundlagenforschung am deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ Heidelberg) tätig waren.

LOW-DOSE CHEMOTHERAPIE

Insulinpotenzierte Chemotherapie (IPT)

Durch eine genau errechnete Dosis Insulin wird der Blutzucker unter kontinuierlicher Überwachung des Patienten gezielt in den Bereich eines moderaten Unterzuckers abgesenkt. Außer Müdigkeit und ev. leichtem Schwitzen wird der Unterzucker von den Patienten kaum bemerkt.

Da Krebszellen ca. 6mal mehr Insulinrezeptoren besitzen als gesunde Zellen, wird die dann applizierte Chemotherapie vorwiegend in Krebszellen aufgenommen. Nach Verabreichung der Chemotherapie (als Bolusspritze oder Kurzinfusion) wird diese durch eine Glucose-Infusion in die Krebszellen eingeschleust und der normale Blutzuckerspiegel wiederhergestellt.

Die Dosis der Chemotherapie kann bei der IPT auf ca. 20% der üblichen Dosis abgesenkt werden. Nebenwirkungen treten hierunter deswegen praktisch nicht auf. So kann diese Therapie auch bei fortgeschrittenen Erkrankungen und schlechtem Allgemeinzustand durchgeführt werden.

Ein weiterer Vorteil ist, dass durch die gute Verträglichkeit die Therapie über einen längeren Zeitraum 1-2mal pro Woche gegeben werden kann und so eine langfristige Kontrolle über das Tumorwachstum möglich ist.

Grundsätzlich steht uns die gesamte Palette der Chemotherapeutika zur Verfügung. Die Chemotherapien werden wie üblich in einer darauf spezialisierten Apotheke (Rieselfeld-Apotheke Freiburg) zubereitet und in unsere Praxisklinik geliefert.

Häufig richtet sich die Auswahl der Chemotherapeutika nach den Erfahrungen der klassischen Onkologie. Gerade am Anfang einer IPT-Chemotherapie vertrauen wir gerne den seit Jahrzehnten bewährten Kombinationen.

Treten aber Resistenzen auf, gibt es die Möglichkeit, zirkulierende Tumorzellen (CTC) durch eine aufwendige Methode aus dem Blut zu isolieren (liquid biopsy – Metavectum Hamburg). Anschließend wird bei diesen Krebszellen ein Chemosensitivitäts-Test durchgeführt, der von Metavectum eigens auf die in unserer Praxis durchgeführten Therapien optimiert wurde.

Dieser Test gibt Hinweise darauf, welche Therapie wirksam ist und gegen welche Therapien die Krebszellen resistent sind. Auf die Weise können wir unsere Therapie genau auf die biologischen Eigenschaften der vorgefundenen Krebszellen abstimmen. Dieses Verfahren wird auch „personalisierte Krebsmedizin“ genannt.

Albumin-Carrier-Therapie mit Methotrexat (MTX-HSA)

Diese Therapie hat mehrere sehr positive Effekte auf Krebserkrankungen. Zum einen hemmt Methotrexat als Chemotherapeutikum die Zellteilung von Krebszellen. Darüber hinaus wirkt Methotrexat (MTX) immunmodulatorisch und ist stark entzündungshemmend.

Da Entzündungsprozesse das Krebszellwachstum fördern, wird der Entzündungshemmung eine sehr bedeutende Rolle innerhalb eines integrativen onkologischen Behandlungskonzeptes zugeschrieben.

Ein zentraler Punkt bei MTX-HSA ist die Bindung von MTX an humanes Serumalbumin. Krebszellen haben einen höheren Energiebedarf als gesunde Zellen und decken diesen neben der vermehrten Aufnahme von Glukose (siehe oben: IPT – Insulin potenzierte Chemotherapie) auch mit einem erhöhten Metabolismus von Proteinen, vor allem von humanem Serumalbumin (HSA).

Albumin kann somit sehr gut als Carrier im Sinne eines Trojaners genutzt werden, um Wirkstoffe wie Methotrexat (MTX) gezielt in Krebszellen einzuschleusen. Darüber hinaus wirkt sich Albumin (Eiweiß) sehr günstig auf Ödeme und auf Aszites (Wasseransammlung im Bauch) aus.

Die Halbwertszeit von MTX-HSA beträgt 19 Tage, d. h. durch eine Infusion alle 14 Tage ist ein kontinuierlicher Wirkspiegel zu erreichen.

Dadurch stehen Krebszellen unter einer Dauertherapie, die sowohl antientzündlich als auch hemmend auf ihre Zellteilung ist (alle Zellteilungszyklen werden im Gegensatz zur klassischen Chemotherapie erreicht).

Wir verweisen hier auch auf unsere Veröffentlichung in der Fachzeitschrift: „Orthomolekulare Medizin und Ernährung“

Erschienen im Juli 2018, Nr. 163, S. F31-F35: „Die Albumin-Carrier-Therapie mit Methotrexat“ (Gaßmann C und Gaßmann E) und auf die Website der Albumin-Carrier-Stiftung: www.albumin-carrier-therapie.org

Adresse

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PRAXISKLINIK DR. GASSMANN
Parkweg 2  •  79244 Münstertal

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